Ohne Relativsätze
wird man nicht allzu viel sagen können, und
deswegen werden wir sie hier kurz behandeln und
später noch mal ausführlich auf dieses
Thema zurückkommen. Relativsätze präzisieren
ein Objekt des Hauptsatzes oder einen ganzen Sinnzusammenhang.
a) Der Mann, den ich sehe, ist blond.
b) Der Mann, der über die Straße geht, ist blond.
c) Ich verlor meinen Pass, was alles verkomplizierte.
d) Die Frau, die ich sehe, ist blond.
Wie man deutlich sieht, ist die Angelegenheit im
Deutschen kompliziert, aber wir werden gleich sehen,
dass es im Französischen, sieht man von den
konkurrierenden Systemen ab, die wir später
diskutieren werden, weit weniger kompliziert ist.
Hinsichtlich Genus und Numerus richtet sich das
Relativpronomen, das blau Markierte, nach dem Objekt,
auf das es sich bezieht. Wir sehen, dass wir in
Satz a) und Satz b) unterschiedliche Relativpronomen
haben, obwohl die Satzstruktur genau die gleiche
ist, der einzige Unterschied besteht darin, dass
das referenzierte Objekt einmal Akkusativ und einmal
Nominativ innerhalb des Relativsatzes ist. Bei a)
ist das Relativpronomen ein Akkusativobjekt (Wen
sehe ich? Den [Mann]), wohingegen das Relativpronomen
in b) ein Nominativ ist (Wer geht über
die Straße? Der [Mann]). Im Gegenzug haben
wir aber in Satz a) und d) auch unterschiedliche
Relativpronomen, obwohl die Funktion innerhalb des
Relativsatzes die gleiche ist. Die unterschiedlichen
Relativpronomen sind durch den unterschiedlichen
Genus des referenzierten Objekt bedingt, einmal
männlich und einmal weiblich. Bei c) referenziert
das Relativpronomen einen ganzen Sinnzusammenhang,
dieser Typ von Relativpronomen wird gar nicht flektiert.
Wir können also sagen, dass das Relativpronomen
hinsichtlich Genus und Numerus von dem Objekt determiniert
ist, auf das es sich bezieht und hinsichtlich des
Kasus von der Funktion, die es innerhalb des Relativsatzes
einnimmt. Im Französischen ist das nun einfacher
und zwar aus dem schlichten Grund, weil der Genus
und Numerus des referenzierten Objektes schlicht
egal ist, einzig die Funktion des referenzierten
Objektes innerhalb des Relativsatzes ist zu berücksichtigen.
Beispiele
Akkusativ: L' homme que je vois est blond.
Der Mann, den ich sehe, ist blond.
Akkusativ: La femme que je vois est blonde.
Die Frau, die ich sehe, ist blond.
Nominativ: La femme qui traverse la rue est blonde.
Die Frau, die über die Straße geht, ist blond.
Akkusativ: Les hommes que je vois sont blonds.
Die Männer, die ich sehe sind blond.
Nominativ: Les hommes qui traversent la rue sont blonds.
Die Männer, die über die Straße gehen, sind blond.
Akkusativ: Les femmes que je vois sont blondes.
Die Frauen, die ich sehe, sind blond.
Nominativ: Les femmes qui traversent la rue sont blondes.
Die Frauen, die über die Straße gehen, sind blond.
Wie deutlich zu erkennen, ist das Relativpronomen que, wenn es innerhalb des Relativsatzes ein Akkusativobjekt ist und qui, wenn es innerhalb des Relativsatzes ein Nominativ ist. Im Detail ist das alles noch ein bisschen komplizierter, weil es noch einen Dativ gibt und weil die Verknüpfung auch über eine Präposition hergestellt werden kann.
Dativ: Der Mann, dem ich das Geld gegeben habe, ist tot.
mit Präposition: Der Mann, über
den wir gesprochen haben, ist tot.
Wir werden darauf später eingehen, aber unter uns gesagt, mit dem was der Leser jetzt schon weiß, kann er sich denken wie das funktioniert.